Von der Gilde zur Gruppe: Eine Reise durchs Networking

Die letzte D-Lounge stand voll und ganz im Zeichen des Networkings. Networking – was ist das eigentlich und wie ist es entstanden? Wir werfen einen Blick zurück.

Antikes Networking

Die Herkunft von Netzwerken ist nicht leicht erklärt, immerhin geht der Gedanke der Kooperation zwischen Menschen bis zum Anbeginn unserer Zeit zurück. Eine Art der Netzwerke sind die sogenannten Gilden, die im Frankreich des 8. Jahrhundert ihren Ursprung haben. Diese Gilden waren vorrangig für Kaufleute gedacht, die erstens mehr Waren im Verbund transportieren und zweitens für deren Sicherheit garantieren wollten. Sie stellten Regeln auf, die diesen Schutz gewährleisteten und ihre Mitglieder unterstützen sollten. Kaufleute ohne Gilde durften nicht (oder nur unter Auflagen) in einer Stadt Handel treiben. Mitglieder der Gilden waren von bestimmten Abgaben befreit oder die Gilde übernahm die Bezahlung.

Sozialdarwinismus in Amerika

Das führt uns ins Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Mittlerweile hatten sich die europäischen Gilden weiterentwickelt, einzelne Familien waren zu Reichtum gekommen und hatten sich über den Atlantik in die USA abgesetzt, wo sie nun zum gehobenen Stand zählten. Ihr Erbe gab ihnen Macht – und schloss Leute wie den jungen Rechtsanwalt Paul Harris aus, die versuchten, sich selbst eine Existenz aufzubauen. Wichtig dabei ist auch die Hintergrundgeschichte. In den USA des 19. Jahrhunderts gab es noch keinen Staat, der für die Vorsorge seiner Bürger einsprang, jeder musste sich selbst helfen. Kein Wunder, dass Logen und Bruderschaften lange Zeit einen regen Zulauf hatten. Wer aber keinen Draht zum Big Business bekommt, macht seine Geschäfte eben unter sich. So der Kerngedanke von Harris, der darum den Rotary-Club gründete. Die Mitglieder trafen sich wöchentlich, tauschten sich beruflich aus und berieten sich gegenseitig.

Business oder Service?

Als dann die Versicherungsbranche in den USA wuchs und den Fürsorgegedanken übernahm, kamen die Logen in Rekrutierungszwang. Plötzlich bildeten Büroangestellte und das mittlere Management den Mittelstand, suchten ihr Heil eher in Clubs als in Bruderschaften oder Logen. Dabei gilt es zwischen Service Clubs und Business Clubs zu unterscheiden.

Bei Service Clubs steht die Freundschaft im Mittelpunkt. Sie vereinen Menschen in sich, die auf der Grundlage gemeinsamer Werte freundschaftliche Beziehungen innerhalb des Clubs pflegen und sich gemeinsam für das Wohl anderer einsetzen. Dabei kann es um soziale Fragen oder Bildung, aber auch Medizin und Kultur gehen.

Business-Clubs wiederum haben vor allem ein Ziel: Die geschäftliche Entwicklung ihrer Mitglieder zu fördern. Sie pflegen ebenfalls Freundschaften, aber solche, die vorrangig mit beruflichem Interesse verbunden sind. Frühe Business-Clubs konzentrierten sich auf Sportarten wie Tennis oder Golf.

Members only

Business Clubs und Service Clubs existieren natürlich noch heute. Service Clubs wie die „Lions“ haben sich mittlerweile über die ganze Welt ausgebreitet, während Business Clubs die Exklusivität leben; ihre Treffen finden in Villen oder teuren Hotels statt. Gerade die Top-Business-Clubs haben hohe Hürden, was den Beitritt angeht, und oftmals vierstellige Jahresgebühren. Ohne eine Einladung durch ein Mitglied oder eine andere (gerne prestigeträchtige) Institution ist ein Beitritt unmöglich.

Netzwerke im digitalen Zeitalter

Heutzutage ist aber auch eine ganz andere Form des Netzwerks weiter verbreitet. Eine, die weder eine Einladung noch eine Empfehlung durch Mitglieder verlangt. Unternehmen und Einzelpersonen nutzen Social Networks wie Facebook, LinkedIn oder Xing dazu, um Kontakte zu knüpfen und sich beruflich weiterzubringen. Die Begriffe „Freunde“, „Follower“ und „Geschäftspartner“ verwischen in den sozialen Medien zunehmend, Exklusivität gibt es höchstens noch durch spezielle Gruppen, die einer Einladung bedürfen. Soziale Netzwerke können beide Zwecke erfüllen: Entweder können Nutzer sie dafür verwenden, um berufliche Netzwerke zu spinnen, oder sich einfach freundschaftlich verknüpfen.

Networking bei der D-Lounge

Das Thema Netzwerke hatte für die Bayerische vor allem im Rahmen der vergangenen D-Lounge in München eine besondere Bedeutung. Ein Fazit dabei: „Netzwerke fallen nicht vom Himmel“. Neue Kontakte brauchen Vertrauen, echtes Interesse, Zeit und Aufmerksamkeit, um sich erfolgreich zu entwickeln. „Networking ist für mich, Themen mit den richtigen Leuten zum Fliegen zu bringen“, sagt Ute Thoma, Leiterin betriebliche Vorsorge Vertrieb die Bayerische, dazu. „In den letzten zwei Jahren sind wir auch durch Corona näher zusammengerückt. Die Taktung ist schneller, de facto kann keiner alles selbst wissen. Der Markt ist groß genug. Wir nehmen uns nichts weg und es geht auch darum, Themen gemeinsam politisch zu setzen.“ Beim Networking kommt es darauf an, echtes Interesse an Menschen zu zeigen. Halbherzigkeit spürt das Gegenüber sofort. Schlussendlich gehe es nicht darum, möglichst viele, sondern qualitativ das richtige Netzwerk zu haben.

Titelbild: ©Mustafa Kurnaz/ stock.adobe.com

Autor

Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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