„Ambitioniert, aber erreichbar“: Von Kapitalstärke und Zukunftsplänen

„9-Euro-Ticket und Tankrabatt bremsen Inflation“, titelte die Tagesschau kürzlich. Verschiedene globale Ereignisse hinterlassen ihren Eindruck. Die Bayerische hat sich dagegen allerdings gut aufgestellt. Wie genau das aussieht, haben wir bei Thomas Heigl, Vorstandsmitglied die Bayerische, nachgefragt.

Redaktion: Herr Heigl, zwischen höheren Bruttobeitragseinnahmen und einem wachsenden Neugeschäft in der Sparte Leben sieht es für die Bayerische derzeit gut aus – wie bewerten Sie die Kapitalstärke des Unternehmens?

Thomas Heigl: Die Bilanz des vergangenen Jahres hat gezeigt, dass nicht nur die Bruttobeitragseinnahmen des Konzerns um knapp 16 Prozent auf 722 Millionen Euro gestiegen sind – und damit weit über dem Marktdurchschnitt (laut GDV 0,2 Prozent) – sondern auch die Kapitalstärke des Unternehmens insgesamt. Wir konnten das Kapital (Eigen- und Nachrangkapital) der Konzernmutter, der Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G., von 185,3 Millionen um mehr als 32 Prozent auf 245,3 Millionen Euro steigern. Das ist ein historischer Höchststand in der langen Geschichte des Unternehmens.

„Die Tatsache, dass wir 2021 die Marke von einer Millionen Kunden überschritten haben, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Redaktion: Wo liegen dabei die größten Stärken der Bayerischen?
Thomas Heigl

Thomas Heigl: Wir haben zum richtigen Zeitpunkt (bereits 2012) unsere Anlagestrategie geändert, um der Volatilität der Finanzmärkte mit nachhaltigem Wachstum zu begegnen. Das hat sich ausgezahlt und davon profitieren wir, wenn wir auf die Rendite und die Anlagevolumina blicken, die natürlich am Ende vor allem unseren Kunden zugutekommen. Dieses Fundament – die Sicherheitsmittel, die wir stetig ausbauen – lässt uns besonders in der Sparte Leben weiter wachsen.

In diesem Bereich haben wir 2021 ein Wachstum von 18,7 Prozent verzeichnet (Beitragssumme der gesamten Gruppe). Während die Branche der Lebensversicherer 2021 laut GDV um 1,7 Prozent geschrumpft ist. Die Tatsache, dass wir im Jahr 2021 die 1-Millionen-Grenze bei der Kundenanzahl überschritten haben – und, dass der millionste Kunde ein nachhaltiges Pangaea Life Produkt abgeschlossen hat – zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere Kapitalanlagen entwickeln sich dank des Fokus auf Nachhaltigkeit, Immobilien, Private Equity und Realkredite prächtig; zudem halten wir nur einen geringen Anteil an Staats- und Unternehmensanleihen in unserem Bestand.

Redaktion: Wo besteht Ihrer Meinung nach Verbesserungsbedarf?

Thomas Heigl: Wir haben vor allem bei der internen Organisation, der Digitalisierung unserer Prozesse, dem konsequenten Ausrichten unserer Produkte und Leistungen am Kundennutzen ein großes Veränderungspotenzial. Wir begegnen dieser Herausforderung vor allem durch eine vernünftige und maßvolle agile Transformation unserer Kollaborationsstrukturen. Zudem investieren wir in die Entwicklung digitaler Vertriebs- und Beratungsinstrumente. Besonders jedoch das Thema Agilität ist für uns von großer Bedeutung. Es erfordert aber auch den größten Grad an Veränderung hinsichtlich Selbstorganisation, Ownership und Mindset. Aus diesem Grund ist es uns auch wichtig, die notwendige Kompetenz für die Begleitung dieses Wandels nicht „einzukaufen“, sondern eigene Leute weiterzuentwickeln.

„Mit der Gewerbewelt gehen wir noch einen Schritt weiter.“

Redaktion: Mit welchen Veränderungen ist in näherer Zukunft zu rechnen? Worauf müssen sich Partner der Bayerischen einstellen?

Thomas Heigl: Wir werden mittelfristig auch Selbstständige, Freiberufler und KMUs als Zielgruppen noch stärker in den Fokus nehmen. Dafür haben wir zwei Leistungspakete geschnürt, die weit über das klassische Versichern hinausgehen. Am 01.01.2022 sind wir mit unserer Unternehmensvorsorgewelt gestartet. Als Partner stehen wir unseren Kunden zur Seite, wenn es um Betriebliche Altersvorsorge, Gesundheitsmanagement und die Verankerung von Nachhaltigkeit unter anderem in sozialen Aktivitäten von Mitarbeitenden, Energiemanagement und CO2-Footprintmessungen, geht. Mit der Gewerbewelt, die am 14.06.2022 gestartet ist, werden wir noch einen Schritt weiter gehen und sowohl unser Wissen rund um nachhaltige Geschäftspraxis teilen als auch bei der Implementierung von ESRS-konformen Reporting-Standards unterstützen.

Redaktion: Und welche Ziele verfolgt die Bayerische?

Thomas Heigl: Unsere operativen Ziele für 2022 sind ambitioniert, aber erreichbar: Die Kundenzahl auf 1.150.000 erhöhen, ein Wachstum des Brutto-Beitragsvolumens von 10 Prozent – und damit erneut weit über dem Marktdurchschnitt, einen Jahresüberschuss der Konzernmutter BBV-L, der stabil zwischen 8 und 10 Mio. Euro liegt. Zudem streben wir an, unser Sicherungsvermögen in Einklang mit Artikel 8 der Offenlegungsverordnung zu bringen, die „Pangaea Life Welt“ größer zu ziehen und unsere Fonds nach Artikel 9 der Offenlegungsverordnung weiterzuentwickeln. Darüber hinaus freuen wir uns bereits jetzt über das Erreichen eines wichtigen Ziels: Im Assekurata-Rating von Bonität und Gesamtunternehmen haben wir zum dritten Mal in Folge Bestnoten erhalten. Zusätzlich bescheinigt uns Assekurata auch im Nachhaltigkeitsrating gute Ergebnisse.

Titelbild & Beitragsbild: © die Bayerische

Autor

Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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