Prädikat „ausgezeichnet“: Der bayerische Vorstand im Interview über den Weg zum Ziel

Die Bayerische denkt fortschrittlich. Nicht nur als wirtschaftliches Unternehmen, sondern auch als Arbeitgeber. Und das zahlt sich aus. Mehrere Auszeichnungen, wie ein Top-Ranking unter den „innovativsten Unternehmen Deutschlands 2020“ oder als Sieger unter den „Makler-Champions 2021“, bestätigen den Versicherer in seinem Handeln. Mit den Vorständen, Martin Gräfer, Thomas Heigl und Dr. Herbert Schneidemann sprechen wir über die „Never ending Story“ der Teamleistung.

Redaktion: Herr Gräfer, die Bayerische zählt laut Ranking des Wirtschaftsmagazins Capital gemeinsam mit dem Datenanalyse-Haus Statista zu den innovativsten Unternehmen Deutschlands. Welcher Weg war ausschlaggebend für dieses Ziel? Und wie will die Bayerische diesen Platz verteidigen oder sogar noch toppen?

Martin Gräfer: Wir haben hier noch kein Ziel erreicht. Es ist eine never ending Story. Es geht nicht darum, der Innovation Willen innovativ zu sein. Martialisch ausgedrückt ist es eine blanke Frage des Überlebens: Warum soll es einen Mittelständler wie die Bayerische geben? Welchen Mehrwert haben wir für die Kundschaft und Vertriebspartner? Der Markt wird von großen Konzernen bestimmt, mit denen wir nur mithalten können, wenn man die Extrameile geht und Gedanken neu sortiert. Innovation ist extrem gut geeignet, um eingefahrene Wege zu verlassen.

Redaktion: Und wie gelingt es, immer neue Wege zu finden? Auch, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden?

Dr. Herbert Schneidemann: Es fängt bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an. Als Teil eines mittelständischen Unternehmens müssen sie sich als Unternehmer fühlen. Zudem ergibt sich Raum für Innovationen, wenn wir – bezogen auf den Kunden – kompromisslos denken. Denn: Viele Produkte, die auf dem Markt sind, sind nicht ausschließlich auf den Kunden ausgerichtet. Eine Entwicklung, die sich im Markt zwar jeder auf die Fahne schreibt, von uns als Mittelständler allerdings noch gezielter umsetzbar ist.

Redaktion: Und woran liegt das?

Dr. Herbert Schneidemann: Wir sind flexibler und unsere Mitarbeiterschaft sieht sich als Unternehmer und Verbraucher zugleich. Wer sich in diese Rolle versetzt, erkennt schnell, welche Bedürfnisse es gibt. Um hier noch lösungsorientierter arbeiten zu können, bieten wir Raum für Innovationen.

Aktuell haben wir mehr innovative Ideen, als Möglichkeiten, diese umzusetzen.

Redaktion: Wie gelingt es, dass sich jeder Mitarbeiter zugleich als Teil eines Teams und zugleich unternehmerisch verantwortlich fühlt?

Dr. Herbert Schneidemann: Verantwortung zu fühlen erreichen wir vor allem durch Verantwortung übertragen. Dafür müssen wir auch loslassen können. Stichwort: agile Arbeitsformen. Hier sind wir nicht nur eingestiegen, weil es ein Buzzword ist, sondern um Eigenverantwortlichkeit in kleineren Teams zu fördern. Nur so fühlen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch als Unternehmer verantwortlich.

Thomas Heigl
Thomas Heigl
Redaktion: Nun ist die Bayerische auch unter den sieben Innovations-Champions in der Kategorie „251 bis 1.000 Mitarbeiter“. Steht aber auch im Gesamtranking großen Konzernen in nichts nach. Warum ist gerade der Mittelstand oft innovativer als die großen Player?

Thomas Heigl: Ich denke, in der Versicherungswirtschaft gibt es hier ein Umdenken. Hinsichtlich Rahmenbedingungen wie Aufsichts- oder Gesellschaftsrecht muss man umdenken und schneller werden. Hierarchien nicht überbewerten und stattdessen die Mitarbeitenden direkt ansprechen und mitnehmen. Ich selbst komme aus der Wirtschaftsprüfung. Hier besteht viel Teamarbeit und auch junge Leute wurden schon damals an den Beruf herangeführt. Deren Anmerkungen wurden dann auch entsprechend berücksichtigt.

Eine Diskussionskultur ist ebenso wichtig wie vernünftig mit Fehlern umzugehen, wenn sie gemacht werden. Also diese aufzuarbeiten, damit sie kein zweites Mal passieren.

Wie in allen Branchen eignen sich hierfür jedoch nicht alle Mitarbeiter. Manche möchten über ihren klar definierten Aufgabenbereich hinaus keine Verantwortung übernehmen. Dennoch ist ein ganzheitlicher Blick auf das Unternehmen wichtig. Denn nur, wenn es dem Unternehmen gut geht, sind auch die Arbeitsplätze sicher. Auch die wachsende Mitarbeiterzufriedenheit zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dieser ist das Ziel.

Redaktion: Unabhängige Versicherungsmakler zeichnen die Bayerische ebenfalls mit Spitzenplätzen bei den Makler Champions aus. Die Versicherungsgruppe erhielt Auszeichnungen in den Sparten Leben und Kranken, ebenso Bronze unter den Schadenversicherern sowie Sonderpreise in den Bereichen Digitalisierung, Produktqualität und Leistungsabwicklung. Außerdem: eine Trophäe als Allsparten-Gewinner. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

Martin Gräfer: Auszeichnungen sind nicht unser Ziel, sondern Motivation und Inspiration, unseren Weg weiterzugehen. Wir wissen, dass wir noch eine ganze Menge verbessern können und auch müssen.

Dass wir abweichend von der Menge der Anbieter wohlwollend wahrgenommen werden, ist natürlich sehr erfreulich, darf uns aber nicht davon abhalten, uns immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen.

Es gilt, zwischen Innovation in Produkten und Prozessen zu differenzieren. Vor Kurzem hatte sich Dr. Schneidemann mit Axel Kleinlein ein Streitgespräch geliefert. Auch das ist ein innovativer Weg, sich mit Themen auseinanderzusetzen. Der Ansatz, es gäbe nur innovative Produkte, kann nicht gelten. Wenn ich Thomas Heigl zur Innovation aus dem Bereich Kapitalanlage befrage, würde allein diese Antwort schon den Rahmen sprengen.

Neue Wege zu gehen geschieht nicht immer nur aus einer Position der Stärke heraus. Mitunter muss man sich verändern, damit eine Zukunft besteht.

Deswegen glaube ich auch, dass diese Art von wahrgenommener Innovation immer dann relevant ist, wenn sie auch kommuniziert werden kann. Ob das in der Kapitalanlage ist, Streitgesprächen, oder unserem Versuch, Agilität in unsere Prozesse einzubringen. Neue Dinge auszuprobieren macht nicht immer nur Spaß und erzeugt oft mehr Fragezeichen als Lösungen. Aber die Bereitschaft Unkonventionelles zuzulassen, ist nicht selbstverständlich. Und jede Woche eine neue Herausforderung.

Dr. Herbert Schneidemann: Dennoch freuen wir uns über solche Auszeichnungen auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es sind Zeichen dafür, dass deren Anstrengungen auch wahrgenommen werden. Das wiederum ist die erwähnte Motivation, weiterzumachen. Darüber freuen wir uns sehr.

Redaktion: Wird mit Auszeichnungen auch der Mut belohnt?

Martin Gräfer: Der Mut wird belohnt durch unsere Kundinnen und Kunden. Das ist der Grund unserer Anstrengung. Mut bedeutet auch zu riskieren, dass man nicht nur Zustimmung erfährt, damit aber leben kann. Wenn man sich über die Konsequenzen seines Handels allerdings keine Gedanken macht, liegen Mut und Naivität sehr nah beieinander.

Redaktion: Und wie gestalten sich Austausch und Zusammenarbeit mit den Maklern, damit entsprechende Ergebnisse zu Stande kommen?
Martin Gräfer
Martin Gräfer

Martin Gräfer: Durch viele innovative Formate. Ein Zoom-Call war vor fünf Jahren unglaublich innovativ, vor drei Jahren noch ungewohnt und heute ist er die Norm. Das zeigt, dass Innovation Normalität wird. Nehmen Sie unseren Zukunftscampus, den wir in den letzten Jahren real durchgeführt haben, jetzt im virtuellen Raum mit mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer und auch deutlich mehr Interaktion. Auch zu Themen jenseits unseres Versicherungsgeschäftes. Ich würde schon sagen, dass Maklerinnen und Makler uns wahrnehmen, deutlich über unsere Unternehmensgrenze hinaus. Und das ist wichtig. Dazu gehört auch Klartext zu reden. Keine Angst zu haben, sich mal den Mund zu verbrennen und durchaus auch mal abweichende Meinungen zu äußern.

Redaktion: Die Pangaea Life hat ganz aktuell die Basis-Rente auf den Markt gebracht. Warum ist es gerade im Nachhaltigkeitssektor entscheidend, den nächsten Schritt zu gehen?

Thomas Heigl: Hier müssen wir in etwa fünf Jahre zurückspringen. Außer Kapitalanlagen hatten wir die Idee entwickelt, ein Versicherungsprodukt auf den Markt zu bringen. Einerseits wollten wir in erneuerbare Energieprojekte investieren. Nur anteilig, aber dennoch so, dass man die Projekte besichtigen kann. So wie wir es jetzt bei der Pangaea Life Investmentreise umgesetzt haben. Jeder der Versicherungsnehmer soll sehen, wohin das Geld fließt. Natürlich hat es seine Zeit gedauert, bis diese innovative Art der Fonds mit nachhaltigem Schwerpunkt angenommen wurden. Ich erinnere mich, dass es damals bei Maklerprogrammen hieß: „Die Kosten sind zu hoch, das Risiko kann man nicht eingeben.“ Die Produkte müssen über den USP verkauft werden, den es so am Markt nicht gibt. Inzwischen läuft das auch sehr gut.

Dr. Herbert Schneidemann
Dr. Herbert Schneidemann

Dr. Herbert Schneidemann: Wir bestehen seit 1858. Unsere ältesten bestehenden Verträge sind noch in Reichsmark abgeschlossen. Daran erkennt man, welche Laufzeit manche Verträge haben und welche Versprechen daran geknüpft sind. Gerade Lebensversicherer sollten an solch langfristigen Verträgen interessiert sein. Verträge innerhalb der Basisrente gehen alle in den Rentenbezug über. Voraussetzung für die steuerliche Förderung ist, dass Renditen danach auch in den Rentenbezug wandern. Das heißt: Wenn jetzt ein 20-Jähriger eine Basisrente abschließt, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass er ein langes Vertragsverhältnis mit uns hat. Insofern eignet sich Nachhaltigkeit hier extrem. Diese ist bei uns nicht nur grün, sondern auch transparent.

Zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass konkrete Projekte den Kunden lange begleiten. Dadurch passen Pangaea-Life und die Basisrente hervorragend zusammen.

Redaktion: Nun ist das Thema Rente nicht unbedingt etwas, das die junge Zielgruppe anspricht. Nachhaltigkeit dafür umso mehr. Nicht zuletzt durch Bewegungen wie Fridays for Future. Inwieweit hat sich hier durch die Verknüpfung eine neue Zielgruppe erschlossen?

Dr. Herbert Schneidemann: Es wäre schön, wenn man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann und über das Thema jüngere Leute für die Altersvorsorge sensibilisiert oder sogar dafür begeistern kann. Den Beweis, ob uns das gelingt, sind wir natürlich noch schuldig.

Martin Gräfer: Bei der Pangaea Life ist der Kunde einen Tick weiblicher als bei anderen Produkten und auch deutlich jünger. Wobei letzteres nicht nur Pangaea Life betrifft. Unsere Neukunden sind in Summe deutlich jünger geworden. Ich glaube auch, dass das Thema Nachhaltigkeit ein ganzheitliches ist.

Es ist uns auch als Unternehmen ein Anliegen, für ethische Werte zu stehen und unseren Beitrag zu leisten.

Auch hier sind wir noch lange nicht am Ende unserer Reise angekommen.

Redaktion: Ein weiteres Beispiel für eine innovative Idee der Bayerischen: die Pangaea Life Investment-Reise. Wie kam es zu der Idee?

Martin Gräfer: Die Ursprungsidee war, die Reise mit ausgewählten Partnerinnen und Partnern real durchführen. Aus der Not entwickelte sich (pandemiebedingt) schnell die Tugend. Der große Vorteil: Während wir auf die reale Reise nur ein paar Dutzend mitnehmen können, erreichen wir so Tausende. Der Kostenaufwand war im Übrigen der gleiche. Hier kam auch wieder der Mut ins Spiel: in etwas zu investieren, von dem man nicht weiß, wie es sich rechnet. Durch die Einzigartigkeit wurde der Mut allerdings belohnt. Die Idee war naheliegend, aber am Ende wurde sie zur großen Innovation.

Und ich gehe die Wette ein: Kein deutscher Wettbewerber im Bereich der Lebensversicherung wäre in der Lage, ein ähnliches Konzept glaubwürdig auf die Straße zu bringen. Wenn jemand die Wette eingehen möchte: die Wette gilt.

Redaktion: Und wie ist hierzu die Resonanz der Vermittler?

Martin Gräfer: Die bestellten VR-Brillen waren alle samt sehr schnell vergriffen. Die Rückmeldung ist überwältigend. Die 360-Grad Wirkung der Aufnahmen ist sensationell. Es ist genau, wie Herbert Schneidemann sagt: Es geht darum, etwas, das eigentlich nicht greifbar ist, transparent zu machen. Pangaea Life ist eine Innovation auf allen Ebenen. Die Assets, in die investiert wird, das machen auch andere. Wir investieren allerdings nicht in Projekte anderer. Sie gehören dem Fonds und sind – zumindest im Augenblick – konzentriert auf regenerative Ideen in ganz Europa. Der Kunde kann durch die Aufnahmen fast begreifen, wie die Dinge funktionieren. Ich würde fast sagen, es ist die Innovation des Jahrhunderts, wenn es um die Frage geht: Wie kann man ein eigentlich intransparentes Produkt so greifbar, so verständlich machen, wie eben bei der Pangaea Life-Investmentreise?

Redaktion: Inwieweit verspüren Sie als Versicherer einen gewissen Druck, nicht nur Kunden, sondern auch Vermittler mit immer neuen Ideen zufrieden zu stellen?

Thomas Heigl: Wir müssen vom Kunden aus denken: Was können wir für eine potentielle Kundschaft tun, damit wir für diese relevant sind? Druck ist da, immer neue Ideen zu präsentieren. Aber wir können natürlich auch nicht jeden Monat etwas Neues machen. Hier haben wir auch nicht die personellen Kapazitäten, um es vermarkten zu können. Den Druck haben wir alle auf dem  Markt, da es letzten Endes ein Wettbewerb ist. Als regionales, deutsches Unternehmen müssen wir auch mit diesen oft deutlich größeren Konzernen mithalten. Wir schlagen uns sehr gut. Auch, da wir klein und wendig sind und keine großen Abstimmungsprozesse haben.

Wir denken unternehmerisch, aber haben keine großen Hierarchien, in denen viel verpuffen kann. Freude an Innovation ist wichtig, aber alles zu seiner Zeit.

Dr. Herbert Schneidemann: Ich denke, der Druck hält sich in Grenzen, da es mehr Ideen gibt als wir sie der Kapazität nach umsetzen können. Die Frage ist eher: Auf welche Ideen sollen wir setzen? Priorisierung und Auswahl ist also deutlich herausfordernder als mangelnde Kreativität.

Redaktion: Die Bayerische durfte vor Kurzem ihren eine Millionsten Kunden begrüßen. Auch das ist eine Auszeichnung. Was bedeutet sie Ihnen? Und können Sie verraten, für welches Produkt sich der Kunde entschieden hat?

Martin Gräfer: Den 1 Millionsten Kunden haben wir Ende Februar erreicht. Es handelt sich hierbei um eine Frau, die sich für den SecurFlex Tarif sowie eine Riester-Rente entschieden hat.

Titelbild: © die Bayerische

Autor

Stephanie Gasteiger
Stephanie Gasteiger
Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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