Der Europäische Grüne Deal: Minimierung von Methan

Deutschland hat hohe Klimaziele gesteckt – und diese 2021 verfehlt. Nun sind umso mehr Einsparungen gefordert, um den Verlust aufzuholen. Der „Europäische Grüne Deal“ schafft auf internationaler Ebene die Rahmenbedingungen.

Keine Emissionen bis 2050

4,5 Prozent – um diesen Wert sind die deutschen Abgasemissionen im vergangenen Jahr angestiegen, schreibt die Tagesschau. Nach vorläufigen Zahlen sind die deutschen CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 38,7 Prozent gesunken. Gefordert ist allerdings ein Minus von 40 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Europäische Union die Mega-Strategie „Europäischer Grüner Deal“ verabschiedet. Der Grüne Deal umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen und kleineren Strategien, die allesamt auf drei Kernziele hinarbeiten.

  1. Die europäische Wirtschaft soll bis 2050 keine Netto-Treibhausemissionen mehr ausstoßen.
  2. Ihr Wachstum soll losgelöst von der Ressourcennutzung sein.
  3. Kein Bürger und keine Region soll „abgehängt“ werden.

Laut der Europäischen Union ist der Grüne Deal auch dabei hilfreich, die Wirtschaft nach den Einschnitten im Zuge der Coronavirus-Pandemie wieder anzutreiben. Im Zuge des „Aufbaupaket NextGenerationEU“ sollen rund 1,8 Billionen Euro in den Europäischen Grünen Deal fließen. Unter anderem soll der Grüne Deal zu mehr sauberer Luft, sauberem Wasser und mehr Biodiversität führen.

Die Europäische Energiewende

Insgesamt verfolgt die EU unter dem Dach des Grünen Deals Strategien in insgesamt acht Kategorien. Dazu gehören Klima, Umwelt und Ozeane, Energie, Verkehr, Landwirtschaft, Finanzen oder Forschung und Entwicklung. Im Bereich Energie stehen vor allem die folgenden drei Kernaspekte im Zentrum:

  1. Die Gewährleistung einer sicheren und erschwinglichen Energieversorgung
  2. Entwicklung eines digitalisierten und vollständig vernetzten EU-Energiemarkts
  3. Vorrang für Energieeffizienz, Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden sowie die Entwicklung eines Energiesektors, der primär auf erneuerbaren Energiequellen beruht

Sechs Strategien sollen diese drei Kernaspekte erfüllen. Eine davon: Die Europäische Methan-Strategie. Methan ist nach Kohlendioxid der zweitgrößte Problemfaktor in Sachen Treibhausgasemissionen weltweit. Im 100-Jahresvergleich ist der Einfluss, den Methan auf die globale Erwärmung ausübt, 28 mal größer als der von CO2. Rund 41 Prozent aller Methanemissionen stammen aus natürlichen Quellen, etwa aus Feuchtgebieten oder Waldbränden. 59 Prozent stammen dagegen aus menschlicher Hand. Besonders sind dafür die Landwirtschaft, die Erzeugung und Verwendung fossiler Brennstoffe und der Energiesektor verantwortlich. Rund 95 Prozent aller weltweiten menschengemachten Emissionen entfallen auf diese drei Sektoren.

Bis 2050 ist es das Ziel der EU, den von Menschen verursachten Methanausstoß um 50 Prozent zu reduzieren. Aktuell ist die EU für rund fünf Prozent des weltweiten Methanausstoßes verantwortlich.

Synergien gegen Methanausstoß

Die Methanstrategie zielt darauf ab, die Methanemissionen in den Sektoren Energie, Agrikultur und Abfall zu verringern, da diese drei fast die gesamten menschenbezogenen Emissionen verursachen. Dabei baut sie auf Synergien zwischen den verschiedenen Sektoren. Zu den sektorübergreifenden Maßnahmen gehören:

Berichterstattung

Vorrangig will die EU dafür sorgen, dass Unternehmen in sämtlichen Sektoren genauere Mess- und Berichterstattungsmethoden für ihre Methanemissionen einsetzen. Das soll zu einem besseren Verständnis des Problems führen – und zu genaueren Informationen zu den außerdem festgelegten Abhilfemaßnahmen. Aktuell, so bemängelt die EU-Kommission, gibt es noch erhebliche Differenzen in der Berichterstattung zwischen den einzelnen Sektoren und auch zwischen den Mitgliedstaaten der EU. Das Ziel ist es, europäische Einheitlichkeit zu erwirken.

Einrichtung einer internationalen Beobachtungsstelle für Methanemissionen

Die zweite Säule ist eine internationale Beobachtungsstelle, die die Methanemissionen erfasst und überprüft. Eine solche unabhängige Stelle gibt es derzeit nicht. Ihre Aufgabe soll sein, weltweit Daten über anthropogene (unnatürliche) Methanemissionen zu sammeln, abzugleichen, zu überprüfen und zu veröffentlichen. Diese Beobachtungsstelle soll vielmehr im Rahmen der Vereinten Nationen verankert sein, nicht lediglich auf EU-Ebene.

Satellitenerkennung und Copernicus

Drittens soll das Copernicus-Programm der EU für Erdbeobachtung für eine bessere Luftüberwachung dienen. So soll es möglich sein, globale „Superemittenten“ zu ermitteln und zu überwachen. Außerdem kann die EU auf diese Weise mögliche Lecks am Boden finden und die Reparatur steuern.

Überprüfung und Überarbeitung der Klima- und Umweltvorschriften

In einer Mitteilung zum Europäischen Grünen Deal hatte die EU-Kommission angekündigt, die EU-Rechtsvorschriften zu überprüfen, um die in der Folgenabschätzung zum Klimazielplan für 2030 vorgesehenen Klimaziele zu erreichen. Einige dieser Vorschriften betreffen auch Methanemissionen. Hier könnten verstärkte Anreize erforderlich sein, um die Emissionen weiter zu senken.

Biogaserzeugung

Nicht recyclingfähige landwirtschaftliche Abfälle und Reststoffströme sollen verstärkt der Biogaserzeugung dienen – oder der Herstellung von Biomaterialien und biochemischen Zwischenprodukten. Bei der Erzeugung von Biogas können solche Ausgangsstoffe wirksam zur Verringerung der Methanemissionen beitragen. Das wiederum könnte zu zusätzlichen Einnahmequellen für Landwirte führen. Dafür ist allerdings ein hohes Maß an Kooperation mit dem Landwirtschaftssektor und lokalen Gemeinschaften notwendig.

Abseits von den sektorübergreifenden Maßnahmen schlägt die EU für die einzelnen Sektoren spezielle Lösungen vor. Dazu gehören:

  • Energiesektor: Im Energiesektor setzt die EU große Hoffnungen in Gasspeicherung und die Einspeisung von Biomethan in die Gasnetze. Weitere Maßnahmen können sich auf die gesamte Öl- Gas- und Kohleversorgungskette erstrecken.
  • Agrarsektor: Im Agrarsektor sieht die EU seit 1990 bereits große Fortschritte. Die Emissionen sind um knapp 22 Prozent gesunken, was unter anderem an einer Verringerung der Rinderbestände liegt. Innovation und Technologie müssen die Produktion nachhaltiger gestalten.
  • Abfall- und Abwassersektor: Hier pocht die EU-Kommission vorrangig auf eine Einhaltung der bereits vorhandenen Gesetze. Außerdem sollen Mitgliedstaaten rigoros gegen illegale Deponien vorgehen und konsequenter überwachen, berichten und überprüfen.

Alle Details dazu stellt die Europäische Kommission zur Verfügung.

Abseits davon unterzeichnete Deutschland bereits den “Global Methane Pledge”, um die klimaschädliche Methanemissionen weltweit bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber 2020 zu senken.

Titelbild: ©andal1991/ stock.adobe.com

Autor

Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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Kommentare

  1. Ich sehe leider schwarz, was Nachhaltigkeit angeht. Unsere Regierung sollte mehr bestrebt sein, mehr Geothermie Anlagen zu bauen oder Windkrafträder. Solaranlagen eignen sich offensichtlich nicht. Nachhaltige Energien stoßen weder Methan noch sonst was ab, und die Umwelt inkl der Natur hört auf durch Abgase sich zu vergrauen. Damals war alles grüner und somit viel schöner

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