Umwelt und Ozeane: Die blaue Seite des Grünen Deals

Die Meeresverschmutzung bedroht Ökosysteme und Volkswirtschaften. Die Europäische Union legt im „Grünen Deal“ besonderes Augenmerk auf die Ozeane. Was steckt hinter der Ozeanstrategie?

Null Emissionen bis 2050

Eine kleine Auffrischung vorweg. Der Europäische Grüne Deal umfasst eine Vielzahl verschiedener Strategien und Maßnahmen vonseiten der Europäischen Union (EU). Diese sollen im Wesentlichen drei Ziele verfolgen:

  • Erstens soll die europäische Wirtschaft bis 2050 keine Netto-Treibhausgase mehr emittieren
  • Europas Wirtschaftswachstum soll zweitens von der Ressourcennutzung abgekoppelt sein
  • Die Wirtschaft soll drittens Menschen und Regionen gleichermaßen unterstützen

Dahinter steckt die Idee, die Wirtschaft hin zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Variante ihrer selbst zu entwickeln. Der Grüne Deal soll, so die Pläne der EU, auch dabei helfen, die Wirtschaft nach der Corona-Pandemie wieder anzukurbeln. Mehr Biodiversität, saubere Luft und Energie – all das ist im Maßnahmenpaket Grüner Deal vorgesehen.

Um das zu erreichen, existieren zu jedem der drei Hauptziele verschiedene Maßnahmen, die die EU auf insgesamt acht Kategorien aufgeteilt hat. Diese sind:

  • Klima
  • Umwelt und Ozeane
  • Energie
  • Verkehr
  • Landwirtschaft
  • Finanzen und regionale Entwicklung
  • Industrie und Forschung
  • Entwicklung

Ozeane und blaue Wirtschaft

Die EU legt im Zuge des Grünen Deals besonderes Augenmerk auf Ozeane und die Umwelt Europas. Diese gelten als Quelle „natürlichen und wirtschaftlichen Wohlstands“ und sind damit unbedingt zu bewahren und zu schützen. Der Grüne Deal sieht bezüglich Ozeane und Umwelt die folgenden Prioritäten vor:

  • Schutz der biologischen Vielfalt und Ökosysteme
  • Verringerung der Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung
  • Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  • Verbesserung des Abfallmanagements
  • Gewährleistung der Nachhaltigkeit unserer blauen Wirtschaft und der Fischereisektoren

Entsprechende Maßnahmen in diesen Fokusbereichen sollen für eine bessere Gesundheit und eine bessere Lebensqualität der Bürger sorgen, Umweltprobleme lösen und Treibhausgasemissionen verringern.

Zur Rettung der Ozeane

Insgesamt gibt es elf Maßnahmen vonseiten der EU, die gezielt die Umwelt und die Ozeane schützen und erhalten sollen. Eine davon ist die sogenannte Biodiversitätsstrategie für 2030. Die EU selbst bezeichnet sie als „umfassenden, langfristigen und ehrgeizigen Plan“ zum Schutz der Natur und zur Umkehrung der Schädigung von Ökosystemen. Zunächst einmal sieht sie die Einrichtung eines EU-weiten Netzes der Schutzgebiete an Land und auf See vor.

Dazu plant die EU, auf bestehenden Natura-2000-Gebieten aufzubauen und dabei den strengen Schutz von Gebieten mit sehr hohen Biodiversitäts- und Klimawert sicherzustellen. Weiterhin will die EU einen internationalen Plan zur Wiederherstellung der Natur entwerfen, um geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen und nachhaltig zu bewirtschaften. Dabei will sie die Hauptursachen des Verlusts an biologischer Vielfalt bekämpfen. Aktuell läuft eine Befragungsphase, die eruieren soll, welche Ideen die europäische Bevölkerung dazu hat (Stand Februar 2022). Die Mobilisierung von finanziellen Mitteln gehört ebenfalls zur Biodiversitätsstrategie. Und zuletzt hat die Kommission vor, weltweite Herausforderungen im Rahmen der Biodiversität anzugehen. Besondere Konzentration liegt dabei auf der Annahme eines weltweiten Rahmens zum Schutz der Biologischen Vielfalt.

Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft

Der „Circular Economy Action Plan“ ist gleichzeitig einer der Hauptbestandteile des Europäischen Grünen Deals. Er soll zum Beispiel dafür sorgen, dass nachhaltige Produkte innerhalb der EU die Norm sind, er soll Abfall verringern und mehr Potenzial für Wiederverwertung schaffen. Dabei sollen zuerst die Bereiche der Wirtschaft im Mittelpunkt stehen, die die meisten Ressourcen verwenden. Den ganzen „Action Plan“ hat die EU unter diesem Link aufgeführt.

Nachhaltige blaue Wirtschaft

Weiterhin hat die EU eine konkrete Strategie für die Sektoren der „blauen Wirtschaft“, also diejenigen, die direkt das Meer beeinflussen oder direkt davon nutznießen. Diese sieht vor, ein „Blaues Forum“ zu errichten, das Nutznießer der Ozeane dazu gebrauchen können, um sich zu koordinieren und in den Dialog miteinander zu treten. Das betrifft zum Beispiel Offshore-Arbeiter, Teilhaber und Wissenschaftler, die mit Fischereien, Aquakultur, Transport, Tourismus, erneuerbarer Energie oder anderen Aktivitäten zu tun haben. Das Forum soll eine Wechselwirkung zwischen ihren Tätigkeiten schaffen. Die EU will dabei:

  • Den Kurzstreckenseeverkehr ausbauen
  • Die Schiffsflotten innerhalb der EU renovieren, dazu gehören etwa Passagierschiffe und Versorgungsschiffe für Offshore-Anlagen
  • Die Fähigkeiten der EU in Sachen Herstellung und Technologie weiterentwickeln

Weitere Details dazu sind im Paper zur Blauen Wirtschaft zu finden.

Thank you for all the fish

Die „Common Fisheries Policy“ (CFP) sieht vor, die Produktivität europäischer Fischereien zu erhöhen, die Märkte zu stabilisieren, eine nachhaltige Quelle gesunder Nahrung zu schaffen und für angemessene Preise zu sorgen. Sie setzt die Regeln für Flottengrößen innerhalb der EU fest, außerdem die Obergrenze für den Fischfang und sie bezieht die sozialen, umweltbezogenen und wirtschaftlichen Aspekte von Fischereien mit ein.

Alles organisch

Der Organic Action Plan verfolgt vor allem das Ziel, dass bis 2030 ein Viertel (25 Prozent) aller landwirtschaftlichen Nutzungsfläche ökologisch bewirtschaftet werden soll. Konkret ist dieses Hauptziel auf drei Unterpunkte verteilt. Erstens soll die Nachfrage nach ökologischen Produkten steigen, was mehr Vertrauen der Kunden in solche Produkte voraussetzt. Zweitens will die EU die Wertschöpfungsketten stärken. Und drittens soll ökologischer Anbau mehr zur Nachhaltigkeit der Umwelt beitragen.

Kampf der Chemiekeule

Und zuletzt will die EU den schädlichen Einfluss der Chemieindustrie auf den Planeten verringern. Hierzu sind bereits wirksame Regulationen vonseiten der Gesetzgeber in Kraft. Angesichts dessen, dass die globale Chemieproduktion sich bis 2030 verdoppeln soll, bleibt eine verbesserte Strategie jedoch nicht aus. Die EU will den Einsatz gefährlicher Chemikalien weiter einschränken, Investments in nachhaltige und sichere Chemikalien verstärken und die Risikoeinschätzung vereinfachen.

Weiter Informationen zum Schutz der Umwelt und der Ozeane stellt die Europäische Kommission unter dem folgenden Link zur Verfügung.

Titelbild: ©Production Perig/ stock.adobe.com

Autor

Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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