„Honorarvermittlung muss so einfach sein wie ein Besuch im Fitnessstudio“

„Wir sind jetzt seit zehn Jahren am Markt und stellen fest, dass das Interesse an Nettoprodukten immer größer wird.“ So äußerte sich Martin Ziems, Geschäftsführer der Nettowelt GmbH & Co.KG, einst im persönlichen Gespräch. Im neuen Jahr geht die Nettowelt mit „Nettoriester“ einen neuen Schritt. Was das ist und welche Bedeutung Nettoriester für Vermittler hat, erklärt Karoline Viktoria Mielken im Interview.

Redaktion: Frau Mielken, was hat die Nettowelt für 2022 geplant?
Karoline Viktoria Mielken, Geschäftsführerin Nettowelt GmbH

Karoline Viktoria Mielken: Wir werden das Jahr mit der neuen Plattform Nettoriester (www.nettoriester.de) starten. Hier wird dem Vermittler ein einfaches System zur Verfügung gestellt, mit dem es weiterhin möglich bleibt, Riester aktiv zu vermitteln – und zwar als Nettotarif. Wir starten nach heutigem Stand mit drei Versicherern. Einer von ihnen ist die Bayerische. Der Vermittler registriert sich und kann loslegen mit der Berechnung. Das Organisatorische im Hintergrund wickelt Nettowelt für den Partner ab.

Redaktion: Welche Vorteile hat Riester als Nettotarif?

Karoline Viktoria Mielken: Eins vorweg – es wird am Markt kaum noch Versicherer geben, die es schaffen werden, über einen Bruttotarif Riester anzubieten. Durch die einkalkulierten Kosten in einem Bruttotarif ist es fast unmöglich, noch die Rendite zu erzielen. Im Gegensatz zum Bruttotarif erhält der Kunde (wie bei anderen Altersvorsorgeprodukten als Nettotarif auch) eine höhere Ablaufleistung durch wesentlich günstigere Gesamtkosten, denn es fallen keine für die Vermittlung kalkulierten Abschlusskosten an. Aber nicht nur das. Nettotarife beinhalten auch deutlich geringe Verwaltungskosten.

Redaktion: Das klingt ja fast so, als könnte eine großflächige Umstellung auf Nettotarife Riester zu neuem Ansehen verhelfen.

Karoline Viktoria Mielken: Ja. Wir bieten Riester ja schon seit längerer Zeit über die Honorarvermittlung an, aber ein großflächiges Umstellen dürfte beweisen, dass der Grundgedanke sehr gut ist.

Redaktion: Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf die Honorarvermittlung zu werfen?

Karoline Viktoria Mielken: Definitiv. Wie gesagt verabschieden sich einige Versicherer aktuell durch das enger geschnürte Korsett im Bereich dieser so wichtigen geförderten Altersvorsorge leider ganz vom Markt. Die Gründe sind nachvollziehbar, denn es ist schlicht und einfach schwierig, bei Beachtung der Anlagevorschriften die Garantien erfüllen zu können.

Wir als Nettowelt sehen dies als ersten Schritt hinein in die Honorarvermittlung. Denn die Einstiegshürde ist schon einmal genommen und unsere Partner können sich über diesen Einstieg ebenfalls über andere Produkte aus der privaten Vorsorge informieren.

„Mit einem zweiten Standbein muss ich mir als Vermittler weniger Gedanken um die Politik machen.“

Redaktion: Also kann die Honorarvermittlung eine Art Absicherung bieten?

Karoline Viktoria Mielken: In mehr als einer Hinsicht. Aktuell weiß niemand so genau, welche Entscheidungen noch in der Politik getroffen werden und wie sehr wir eingeschränkt werden. Mit einem zweiten Standbein – der Honorarvermittlung – muss ich mir als Vermittler darüber weniger Gedanken machen, ich positioniere mich frühzeitig und bin weitestgehend unabhängig von politischen Entscheidungen. Das gilt zum Beispiel auch für den nach wie vor diskutierten Provisionsdeckel. Weil dieser sich in erster Linie auf Provisionen im klassischen Sinne bezieht, würde mich ein Provisionsdeckel nicht sofort betreffen, wenn ich ebenfalls Honorarvermittlung betreibe.

Redaktion: Wie kann Honorarvermittlung Ihrer Meinung nach noch attraktiver werden?

Karoline Viktoria Mielken: Zunächst einmal muss sie einfacher werden. Unser Ziel ist es, dass man quasi vom Smartphone aus zum Honorarvermittler werden kann. Ein Klick, einige wenige Angaben und ich registriere mich. Wenn jemand heute motiviert ist, nützt es nichts, wenn sich der Papierkram über 14 Tage hinzieht. Das ist genau wie beim Besuch im Fitnessstudio. Ich möchte heute meine Sporttasche packen und loslegen, nicht irgendwann später. 

„Der Vermittler soll sich auf den Kunden konzentrieren können.“

Redaktion: Und wie profitieren Vermittler hier von der Zusammenarbeit mit Nettowelt? 

Karoline Viktoria Mielken: Das Team der Nettowelt kümmert sich um eine aktuelle Plattform mit den relevanten Nettotarifen, schult auch zu diesen Tarifen und unterstützt beim Einstieg in diesen Geschäftsbereich. Der Vermittler soll sich auf den Kunden konzentrieren können. Wir kümmern uns um die Abwicklung, um, falls gewünscht, ein Factoring, also einer ratierlichen Zahlmöglichkeit für den Kunden, und ganz generell um das Inkasso.

Die Nettowelt existiert jetzt seit 2010 – diese Erfahrung hilft uns im Tagesgeschäft und das geben wir an unsere Vermittler weiter.

Wie wirkt sich die Debatte um den Provisionsdeckel auf Nettotarife aus? Das beantworten Martin Ziems und Michael Scheerer im Interview auf umdenken.co. Die Nettoriester-Homepage wird aller Voraussicht nach pünktlich zum 1. Januar 2022 online gehen. Wir halten Interessierte hier weiterhin auf dem Laufenden.

Titelbild & Beitragsbild: © Karoline Viktoria Mielken

Autor

Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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