Mit Wasserstoff aufs Gleis: Die Bahn testet neue Antriebstechnik

Ende vergangenen Jahres gab die Deutsche Bahn in Zusammenarbeit mit Siemens ein neues Projekt bekannt: Zugantrieb durch Wasserstoff. Kann das funktionieren? Und wann ist ein realistisches Startdatum? Wir werfen einen Blick auf das Projekt.

Stück für Stück möchte die Deutsche Bahn klimaneutral werden. Darum hat der Konzern den Anteil der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren angehoben. Inzwischen bündelt sich der Bahnstrommix zu mehr als 60 Prozent aus Ökostrom – wobei nicht alle Züge tatsächlich damit fahren. Noch immer sind laut Bundesverkehrsministerium 39 Prozent der Strecken nicht ans Stromnetzwerk angeschlossen. Brennstoffe wie Diesel schließen die Lücke nach wie vor. Der Bahn-Konzern sah sich deshalb in der Vergangenheit des Öfteren der Kritik des Greenwashings ausgesetzt. Der nächste Schritt in Richtung Klimaneutralität soll nun mithilfe von Wasserstoff gelingen. Wie die Tagesschau berichtet, testet die DB gemeinsam mit Siemens Mobility im Südwesten Deutschlands den Einsatz von Wasserstoff für die Schiene. Das Ziel: Der Austausch von hunderten Zügen mit Dieselmotoren. Ab 2024 plant der Konzern einen einjährigen Testbetrieb für die Regionalzüge in Baden-Württemberg. Genauer gesagt: für die Züge auf der Strecke zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim.

Bis 2050 will die Bahn klimaneutral sein

Dabei ist das selbstgesteckte Klimaziel der Bahn durchaus ambitioniert. Laut Bündnis Allianz Pro Schiene befindet sich Deutschland mit seinem Ausbau in die Schieneninfrastruktur europaweit im Schlussfeld hinter Spanien und Frankreich. Am besten schneiden Luxemburg und die Schweiz ab. Um das Ziel zu erreichen, bis 2030 mindestens 75 Prozent der Schienen elektrifiziert zu haben, ist demnach der Turbo notwendig. Das zeigen auch die Zahlen der Vergangenheit: Zwischen 2010 und 2020 stieg deren Anteil lediglich von 59 auf aktuell 61 Prozent an.

Trotzdem soll bis 2050 die Klimawende gelingen. Bis dahin soll “kein einziges Fahrzeug mehr mit konventionellem Diesel” im Einsatz sein, heißt es aus dem Bahnvorstand. Insgesamt bedeutet das den Austausch von knapp 1300 Dieselantriebszüge den Umbau der 39 Prozent der bislang nicht elektrifizierten Strecken. Diese umfassen ein etwa 13.000 Kilometer langes Schienennetzwerk. Betroffen sind hauptsächlich Strecken für den Regionalverkehr, die weniger stark befahren sind als die großen ICE- und Intercity-Trassen.

Wasserstoffantrieb soll gleiche Leistung wie Elektromotoren bringen

Ab 2024 sollen die neuen Züge rollen. Sie basieren auf einem Regionalzug des Typs Mireo Plus, die als zweiteilige Version mit einem neu zu entwickelnden Wasserstoffantrieb ausgerüstet sind. Die Bahn verspricht mit diesem Modell eine vergleichbare Reichweite wie elektrische Antriebe. Sie sollen bis zu 600 Kilometer weit fahren und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde erreichen.

Im gleichen Zuge entwickelt die Bahn eine neue Wasserstofftankstelle. Das Betanken der neuen Züge soll damit in etwa so lang dauern wie das von Dieselzügen. Funktionieren soll dies über einen sogenannten Elektrolyseur. Das bedeutet, mithilfe von Strom wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Nachdem der fertige Wasserstoff aufbereitet und gekühlt ist, erfolgt die Betankung innerhalb von etwa einer Viertelstunde. Eine Brennstoffzelle an Bord des Zuges wandelt den Wasserstoff anschließend wieder in elektrische Energie um, die die Elektromotoren betreibt. Die Produktion findet in einer Anlage in Tübingen statt. Im nahegelegenen Ulm wird zudem das DB-Werk ausgerüstet. Der Strom hierfür soll ebenfalls aus nachhaltiger Produktion stammen.

Schon 2018 fuhren erste Züge mit Wasserstoff

Wie das Nachrichtenportal HNA berichtet, ist es ist nicht das erste Mal, dass Wasserstoff-Brennstoffzellen auf deutschen Schienen getestet wurden. Der elektrische Triebwagen des französischen Herstellers Alstom ist schon zwischen 2018 und 2020 testweise zwischen Buxtehude und Cuxhaven im Fahrplan eingesetzt. Ab 2022 will Niedersachsens Landesnahverkehr-Gesellschaft sie auf der Strecke erneut zum Einsatz bringen.

Für die Zughersteller verspricht die Technologie ein lukratives Geschäft zu werden. Ein Zug des für die DB produzierten Typs Mireo Plus kostet bis zu zehn Millionen Euro. Gleichzeitig könnten nach Einschätzung von Siemens Mobility in den kommenden 15 Jahren bis zu 15.000 Triebzüge ausgetauscht werden. Der Konzern rechnet mit einem Marktpotenzial von 50 bis 150 Milliarden Euro. Die Leistung der Wasserstoffzüge entspreche nach Auskunft von Siemens der Leistung elektrischer Triebwägen. Mit besonders leistungsstarken Diesellokomotiven könne die neue Technologie jedoch nicht mithalten.

Titelbild: © janoka82/stockadobe.com

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