Riester-Erfolg zum Jahresende: Von Aktienrente und Torschlusspanik

Nachdem zum Jahresbeginn viele Riester-Anbieter ihre Riester-Produkte gestrichen haben, herrscht wieder Unsicherheit rund um die Altersvorsorge in Deutschland. Dabei war die Riester-Rente zum Abschluss durchaus beliebt. Die Bundesregierung plant eine Aktienrente.

Stabilität im dritten Quartal

Wie sich die Zahl der laufenden Riester-Verträge entwickelt, zeigen Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) im Vierteljahrestakt. Im dritten Quartal 2021 maß das BMAS 10,62 Millionen Riester-Versicherungsverträge, dazu 0,57 Banksparverträge, 3,27 Millionen Investmentsfondsverträge und 1,75 Millionen Wohnriester-Verträge. Das bedeutet einen geringen Abfall gegenüber dem Vorquartal. Allerdings warnt das Ministerium davor, dass die Zahl der Verträge keinen Rückschluss auf die Anzahl der Personen zulässt, die tatsächlich einen Riester-Vertrag besparen. Zudem kann eine Person mehrere Riester-Verträge laufen lassen oder Verträge auf Eis legen.

Riester-Schwemme beim BDV

Jedoch berücksichtigen diese Zahlen das vierte Quartal 2021 noch nicht. Hier könnte es zum ersten Anstieg seit 2016 kommen, denn viele Bürger schlossen in den Monaten vor dem neuen Höchstrechnungszins noch eine Riester-Rente ab. Das berichtet der Bundesverband Deutscher Vermögensberater e.V. (BDV). Insgesamt vermittelten dessen Mitglieder über 145.000 neue Riester-Verträge – ein Plus von 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele Kunden wollten noch die staatlichen Zulagen und Steuervorteile nutzen, die sich aus einer Riester-Rente ergeben. Weil der neue Höchstrechnungszins von 0,25 Prozent die kostendeckende Kalkulation vieler Riester-Verträge fast unmöglich macht, haben viele Anbieter ihre Riester-Produkte vom Markt genommen.

„Es ist doch nur logisch, dass sich gerade Bürger mit niedrigen Einkommen und mit Kindern vor „Torschluss“ einen Riester-Vertrag mit Zulagen gesichert haben. Denn allein mit den Zulagen lässt sich eine sehr attraktive jährliche Rendite erzielen“, sagt Alexandra Nussbaum, Mitglied im Vorstand des BDV und selbst Vermögensberaterin in Ravensburg, in einer Pressemeldung dazu.

Antwort der Politik fehlt

Nun liegt die Verantwortung bei der Politik, befindet Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Verbandes. „Die vielen Neuabschlüsse belegen eindeutig, dass Riester im Grunde ein Erfolgsmodell war und ist. Wir wünschen uns sehr, dass die neue Regierung nun endlich die Bruttobeitragsgarantie absenkt oder abschafft, damit es wieder Angebote gibt.“ Diese Maßnahme hält er auch für die über 16 Millionen bestehenden Verträge dringend notwendig. Oftmals seien die Guthaben der Kunden wegen der Garantie in Zinspapieren angelegt, die jedoch nichts abwerfen. Demnach hätten die Anbieter schlicht keinen Spielraum für rentable Kapitalanlagen.

Die Aktienrente kommt

Die neue Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag festgelegt, sowohl die gesetzliche als auch die private Altersvorsorge reformieren zu wollen. Ein eigens dafür eingerichteter Fonds soll bei der Reform der privaten Vorsorge eine Schlüsselrolle spielen (weitere Informationen dazu im Beitrag „Die Zukunft der Riester-Rente“. Im kürzlich vorgelegten Haushaltsentwurf hatte die Aktienrente noch gefehlt, was kurzzeitig zu Spekulationen darüber führte, sie wäre auf Eis gelegt. Weit gefehlt: Wie die Tagesschau berichtet, soll die Aktienrente wie geplant starten – und das am besten so schnell wie möglich. „Unser Wunsch ist, dass die ersten Milliarden Euro noch in diesem Jahr in den Fonds landen“, sagte Finanzstaatssekretär Florian Toncar dazu. Entsprechende Gespräche innerhalb der Bundesregierung hätten bereits stattgefunden.
Jedes Jahr soll diese staatliche Rentenkasse dann zehn Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt erhalten. „In einem ersten Schritt soll der Fonds ausschließlich durch Mittel des Bundes und die erwarteten Gewinne an den Kapitalmärkten gespeist werden”, erklärt Toncar.
Titelbild: © beetey / stock.adobe.com

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NewFinance Redaktion
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