Die Riester-Rente: Besser als ihr Ruf!

Besonders wohlgelitten ist die Riester-Rente nicht (mehr) bei Deutschlands Sparern: Sie gilt als zu teuer, zu kompliziert, zu wenig attraktiv – kurzum: Als private Altersvorsorge kaum geeignet. Aber stimmen die Vorurteile denn? Ein Faktencheck.

Die Riester-Rente lohnt sich nicht

Eines der Haupt-Argumente gegen die Riester-Rente ist der meist etwas diffuse Einwand, sie würde sich nicht lohnen. Hierbei muss man zwei Aspekte unterscheiden: Zum einen die eigentliche Rendite des Vertrages und zum anderen die Rendite unter Berücksichtigung der Zulagen.

Die eigentlichen Renditen der Verträge stehen natürlich immer unter dem Eindruck der Kapitalgarantie: Bei Rentenbeginn muss das gesamte Kapital des Sparers inklusive der Zulagen zur Verrentung zur Verfügung stehen. Das schränkt vor allem in den letzten zehn bis 15 Jahren vor Rentenbeginn die Renditechancen ein – das gilt aber für jede fondsgebundene Rentenversicherung mit einer hohen Garantie, ist also keine „Riester-Thematik”. Ansprechende Renditen sind bei langen Laufzeiten von 25 und mehr Jahren dennoch möglich – allerdings können sie am Ende bis zu zwei Prozentpunkte unter den Renditen vergleichbarer Fondspolicen liegen, die ohne Garantien arbeiten. Das ist der Preis der einhundertprozentigen Anlagesicherheit.

Lohnend werden die Riester-Renten jedoch vor allem durch die Zulagen und die Steuervorteile. Bei einer Laufzeit von 30 Jahren und einem Monatsbeitrag von 60 Euro plus Zulage für den Sparer und ein Kind (175 Euro plus 300 Euro) werden aus vier Prozent Rendite einer fondsgebundenen Rentenversicherung fast sieben Prozent durch die Zulagen. Im Schnitt zieht die Förderung die Rendite um ein bis zwei Prozentpunkte nach.

Fazit: Die gesetzlich festgelegten Garantien der Riester-Renten drücken die Renditen, weil die Anlageausrichtung weniger offensiv sein kann – dafür steht aber auch eine 100 Prozent-Garantie trotz börsennaher Investments. Und die Zulagen und Steuervorteile holen diesen Nachteil meist wieder auf.

Die Riester-Rente ist zu teuer

Die Kostenbelastung der Riester-Renten sei viel zu hoch, monieren vor allem Verbraucherschützer. Fakt ist: Die Kostenquoten der Verträge waren in der Vergangenheit deutlich zu hoch, heute sind vor allem im Bereich der Nettotarife Kostenquoten von 0,5 bis 0,75 Prozent realistisch – zuzüglich Honorar für die Beratung. Entscheidend ist es also vor allem, einen günstigen Anbieter zu finden mit einer fairen Kostenquote – klassischerweise die Aufgabe einer guten Beratung durch den Vermittler.

Fazit: Eine Riester-Rente kann zu teuer sein – hier sind Vermittler gefordert, die Kunden zu einem günstigen Vertrag zu führen. Denn es ist nicht die Riester-Rente, die zu teuer ist. Sondern es sind einige Riester-Verträge, die zu hohe Kosten haben. Daneben gibt es einige Angebote, die durchaus attraktiv sind.

Es gibt viel zu wenig Rente

Bei der Verrentung des Kapitals fließt zu wenig Rente an den Sparer – auch das ist eines der Argumente gegen die Riester-Rente. Tatsache ist: Meist dauert es aktuell rund 20 Jahre, bis der Sparer „sein” Kapital aufgezehrt hat. Erst danach macht der Sparer ein Plus, bekommt also mehr ausgezahlt, als er in die Riester-Rente eingebracht hat.

Fakt ist aber: Die Riester-Rente dient vor allem der Absicherung der Langlebigkeit.

Diese lebenslange Rente für jeden zu garantieren ist Ausdruck des Solidarprinzips. Und das funktioniert nicht, wenn jeder aus diesem Solidar-Topf mehr rausbekommen würde, als er selbst eingezahlt hat.

Fazit: Eine Riester-Rente ist keine Geldanlage, die man aus Renditegesichtspunkten betrachtet. Sie sichert das Risiko ab, dass wir sehr alt werden und garantiert dafür eine lebenslange Rente. Wer das nicht möchte, der ist mit der Riester-Rente falsch beraten. Alle anderen erhalten ihr Leben lang die Garantie einer sicheren Rente.

Der Staat holt sich die Förderung wieder

Das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung sieht vor, dass Altersvorsorgesysteme, die in der Ansparphase gefördert sind – dazu gehören neben der Riester-Rente die Basis-Rente und auch gesetzliche Rente sowie die betriebliche Altersvorsorge – im Alter ganz oder teilweise besteuert werden. Ihr Vorteil ist natürlich, dass im Alter der individuelle Steuersatz deutlich geringer ist als im Erwerbsleben. So ist es auch oft gar nicht sicher, ob im Alter auf Ihre Riester-Rente tatsächlich Steuern zu zahlen sind – vor allem, wenn die Rentenbezüge insgesamt so niedrig sind, dass das Einkommen unter dem Existenzminimum liegt. Das sind derzeit immerhin 9.408 Euro für Alleinstehende und 18.816 Euro für Verheiratete. Und selbst wenn das Einkommen höher liegt:

Tatsächlich liegt der Steuersatz für Riester-Renten oft gerade einmal bei 25 bis 30 Prozent.

Fazit: Die nachgelagerte Besteuerung ist das Gegenstück zur Förderung – wer im Alter seine Rente steuerbegünstigt erhalten möchte, kann zum Beispiel die private Rentenversicherung ohne Förderung nutzen. Hier werden im Alter Renten nur mit dem geringen Ertragsanteil besteuert.

Titelbild: © bernardbodo/stock.adobe.com

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